......wie alles begann

Am Freitag den 5. September 1913 fanden sich auf Einladung 14 Mann in der alten "Krone" ein. Sie waren zur Gründung eines Musikvereins zusammengekommen. Ein schwieriges Unterfangen in dieser Zeit. Im Grundprotokoll ist dieses Problem kurz beschrieben:
Es ist eine eigene Sache um die Gründung eines Vereins, insbeson­dere eines Musikvereins, denn dieselben sind in der Regel nicht auf Rosen gebettet. Manche mit grosser Hoffnung ins Leben gerufene Mu­sikgesellschaften sind nach kurzer Zeit in nichts zerronnen, denn in keinem Verein sind die Anforderungen eines jeden Mitgliedes so gross wie in einem Musikverein, sowohl in technischer als auch in finanzieller Hinsicht."
Diese Zeilen hatte der damals 29jährige Richard Richli geschrieben. Er und der 43jährige Albert Rüegg waren die eigentlichen Initianten zur Gründung dieses Vereins. Beide lebten in Mettmenhasli und wa­ren eifrige Blasmusiker. Und so setzte sich der Vorstand des neuen Vereins· zusammen:

Präsident                                Heinrich Schmid Oberglatt        (23jährig)
Vice-Präs. und Kassier             Heinrich Schälchli Niederhasli   (22jährig)
Aktuar und Dirigent                 Richard Richli Mettmenhasli      (29jährig)
Vice-Dirigent                           Albert Rüegg Mettmenhasli       (43jährig)

Rechnungsrevisoren                 Hans Müller Chastelhof            (19jährig)
                                              Fritz Fröhlich Niederhasli          (22jährig)

Heinrich Schälchli machte den Vorschlag, dass der Verein den Namen
Musikgesellschaft Niederhasli-Oberglatt
tragen sollte.
Dieser Vorschlag wurde einstimmig angenommen. Das letzte Traktandum der Gründungsversammlung galt der Instrumentenbe­schaffung. Die fehlenden Instrumente sollten von der Instrumentenfa­brik in Frauenfeld gemietet werden.
Für diese Sache wurde der Aktuar verantwortlich gemacht, der sich möglichst schnell mit einem Fräulein Wolf aus Frauenfeld in Verbindung setzten sollte.
Erst spät in der Nacht wurde die Versammlung aufgelöst.
„Möge ein guter Stern walten über der neu gegründeten Musikgesell­schaft"
hiess es.

 

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Zehn Monate später brach der erste Weltkrieg aus.
Viele mussten immer wieder in den Aktivdienst einrücken. Das Häuflein Musikanten das nach zwei Bestandesjahren 29 Aktive zählte, hatte immer viele Absenzen zu beklagen.
Das Probelokal war damals im alten Schulhaus in Niederhasli. Die jungen Mitglieder, die aber noch kein Instrument beherrschten, hatten ihr Probelokal im alten "Schuelhüüsli" in Nassenwil.
Dort er­lebten sie mit der Methode "Mit dem Stöckli eis uf d'Finger" das instrumentale Musizieren.

Das finanzielle Problem war am Anfang im Zeichen des Krieges eines der grössten. Zum Beispiel belief sich die Barschaft der Musikge­sellschaft am 17. September 1915 auf Fr. 80.--. Das war zu dieser Zeit nicht wenig, doch mussten Schulden von Fr. 700.-- abgetragen werden.
Die überzeugten Musiker waren gezwungen, das Jahr hindurch neben ihren sonstigen Pflichten, bei der Wehntalbahn tagelang zu grampen oder in einer Fünfzehnergruppe in den Sümpfen Streu zu mähen und das geschnittene Sumpfgras auf Eisenbahnwagen zu verladen.
So hatten es die "Chrampfer" geschafft, die Barschaft in einem Jahr auf Fr. 500.-- zu erhöhen und die Schulden zu begleichen. So war es nun möglich, am 20. Spetember 1916 mit Fr. 100.-- ein Sparbüchlein bei der Kantonalbank zu eröffnen. Natürlich trugen zum finanziellen Er­folg auch öffentliche Konzerte bei. Für Fr. 100.-- spielte die Musik­gesellschaft mehrere Sonntage an der Seepromenade in Zürich. Die meisten Musiker reisten zu Fuss, andere mit Rosskarren und nur we­nige leisteten sich ein Billett mit der Eisenbahn.
Damals war dies nichts Besonderes. Heute würde man sich weigern, solche Strecken zu Fuss zu gehen.

Zu dieser Zeit lebte in Niederhasli ein Möbelfabrikant Schärer-Wick. Er hatte seine Werkstatt dort, wo heute das neue Rossacker-Schulhaus steht. Er war Anhänger der Musikgesellschaft und hatte beschlossen, in der Malerwerkstatt seiner Fabrik eine Vereinsfahne auf Seide zu malen.
Am 1. Oktober 1916 war es soweit. Die Sonne begleitete den gan­zen Tag die erste Fahnenweihe der Musikgesellschaft. Auf diesen An­lass hin wurden bei der Hutfabrik Bötcher in Zürich für Fr. 5.75 pro Stück einheitliche Filzhüte angeschafft. Sie konnten nun das erste Mal vorgezeigt werden. Stolz schritt der frischgebackene  erste Fähnrich mit der nigelnagelneuen Vereinsfahne vor der Musikgesell­schaft her. Er hiess Oskar Marthaler und wohnte in Oberhasli.
Der Spender der Fahne, Schärer-Wick wurde später mit einer Urkunde und einem Zinnbecher zum Ehrenmitglied ernannt.